Andreas Maier – „Onkel J.: Heimatkunde“

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Man nehme eine gute Portion Geschwätzigkeit von Eckhard Henscheid, ergänze ein wenig Lebensmattheit von Wilhelm Genazino, würze mit einer Prise Melancholie von Landsmann Peter Kurzeck, schmecke das Ganze mit ein wenig Thomas Bernhard ab – und fertig ist die Laube oder wohl besser „Onkel J. Heimatkunde“!

Was ein Beuys für die gestaltende Kunst, das könnten Autoren wie Andreas Maier für die schreibende Zunft werden: Überschätzt, mit Stipendien am Künstlerleben erhalten produzieren sie eines Tages „Trash“. Und ähnlich wie seinerzeit Beuys grinst Autor Maier vermutlich nur müde ob der von ihm durchaus erkannten unverdienten Lorbeeren für seine scheiternden Schreibversuche – oder ist selber vom unerwarteten Erfolg kalt erwischt worden.

Nicht die Schreibblockade ist der Skandal, sondern deren Veröffentlichung. Nicht das fehlende Talent ist anzuprangern, sondern wie Maier mit den ihm verliehenen Gaben umgeht. Den schreiben kann Andreas Maier ohne Zweifel. Auch in diesem Büchlein blinken immer mal wieder feine Fragmente auf. Doch fehlt dem Buch durchgängig Kraft und Vitalität. Und nur weil Verlag und Lektor drängen, sollte kein Autor vorzeitig ein Buch publizieren.

Der Autor und Journalist Andreas Merkel schreibt passend zu diesem Dilemma: „Und das Schlimmste daran war der Fluch, für immer auf eine Weise mit der eigenen Talentlosigkeit konfrontiert zu sein, die zu durchschauen einem fast schon wieder wie ein Talent erschien …“ (SZ 29./30. Mai 2010)

Die einzelnen Kapitel bei Andreas Maier beginnen immer mit „Neulich …“. Ich fahre daher so fort: Neulich las ich ein Buch. Es war Zeitverschwendung. Leider.

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