Erich Lessing – „Vom Festhalten der Zeit“

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Der Versuch, die Gegenwart festzuhalten, ist ein höchst schwieriges Unterfangen. Ist sie doch nur ein extrem kurzer Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wir haben nur den Augenblick. Und nur da findet das Leben statt.

Und weil das so ist, versuchen wir, diesen kurzen Moment festzuhalten, zum Beispiel mittels Fotografie. Nicht zufällig geben Menschen Jahr für Jahr Milliarden aus, um die Gegenwart mit Foto und Film festzuhalten und später als Vergangenheit wieder in die Gegenwart zu transportieren. Man fotografiert, was man ins künftige Leben hinüberretten will. Weil uns das Gespür für die Gegenwart entgleitet, suchen wir Zuflucht im Vorzeigbaren. Für 1/100 Sekunde halten wir die Gegenwart an. Wir halten etwas im Bilde fest, um uns selbst festzuhalten.

Erich Lessing Reportage-Fotografie 1948 – 1973 „Vom Festhalten der Zeit“ macht genau dies. Auf über 400 Seiten Großformat und 690 Abbildungen haben Alistair Crawford und Traudl Lessing das Schaffen Erich Lessings (* 1923) zusammengefasst. Doch Lessings Fotos sind mehr als geglückte Momentaufnahmen – sie sind ein kleiner Ausschnitt aus der Zeit- und Menschheitsgeschichte.

Der Betrachter sieht das gesamte Panoptikum von 25 Jahren: Die Berühmten, Erfolgreichen und Reichen ebenso wie die Unbekannten und Unerkannten. Vor dem Objektiv Lessings sind sie alle Zeitgeschichte. Ein epochales Bild-Werk.

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