Henning Mankell – „Der Feind im Schatten“ (Hörbuch)

Rating: ★★☆☆☆ 

Eigentlich sollte „Die Brandmauer“ der letzte Wallander-Krimi sein. Doch dieses Mal gibt es kein Zurück. Zusammen mit dem Leser macht Henning Mankell die Tür hinter Kurt Wallander zu.

Dies also ist der Abschied von Kommissar Wallander aus Ystad, der uns knapp 20 Jahre seit dem ersten Wallanderkrimi „Mörder ohne Gesicht“ kriminalistisch begleitet hat. Für viele Leser skandinavischer Krimikost war Mankells Kurt Wallander die kongeniale Fortsetzung Martin Becks, dem Kommissar von Sjöwall / Wahlöö von der „riksmordkommissionen“ in Stockholm. Und ebenso wie seine berühmten Vorgänger beschließt Mankell den Reigen nach zehn Episoden – wenn das kein Zufall ist?

Das Erfolgsrezept von einst lag zum einen in der Fokussierung auf die ermittelnden Polizisten und zum anderen in der Kritik des verkommenden schwedischen Staates unter Tage Erlander und Olof Palme.

Und genau in die Regierungszeit der beiden Letztgenannten reicht nun dieser neue, letzte Krimi mit Kurt Wallander zurück. Es ist die Zeit des „Kalten Kriegs“, als sowjetische U-Boote in schwedische Hoheitsgewässer eindringen. Wir verzichten an dieser Stelle angesichts der Vielzahl an Rezensionen auf eine weitere Wiedergabe des Inhalts.

Vielleicht war Henning Mankell mit seiner Figur Kurt Wallander deshalb so erfolgreich, weil sich viele Leser in diese hineinversetzen konnten: Der Kommissar fürchtet Tod und Krankheit, sehnt sich nach Nähe, kann jedoch mit dieser nicht umgehen, arbeitet, isst und trinkt zu viel, treibt keinen Sport – kurzum er leidet an sich und der Welt überhaupt. Ein Mensch wie du und ich also.

Schon im ersten Roman riecht Wallander „den bitteren Geruch alter Leute“. Im neuen Buch ist sein eigener körperlicher und geistiger Verfall das Hauptthema. Er schaut zurück und zieht Bilanz, fragt sich, wer er eigentlich ist. Einige alte Fäden werden noch einmal aufgenommen: Seine Ex-Frau ist inzwischen völlig alkoholkrank. Baiba, die einstige Geliebte aus Riga kommt zum Abschiesbesuch; sie hat Krebs im Endstadium. Krankheit und Sterben nehmen eine zentrale Rolle in diesem düsteren Buch ein. Das Bewusstsein der Endlichkeit ist jenseits des 60sten Lebensjahres gesteigert.

Vielleicht war das ein weiteres Erfolgskriterium an Wallander, dass er in Echtzeit alterte, dass er sich änderte, physisch und mental. Immer weniger war er dabei Belastungen seines Jobs gewachsen.

Besorgte Leser mögen sich fragen, ob der depressive Grundtenor dem seines Autors entspricht? Bereits sehr früh verließ Mankells eigene Mutter Familie und Kind. Sein Vater, von Beruf Richter, war ihm fortan Muttersatz. Beides bleibt in Mankells Werken deutlich spürbar: Einsamkeit und das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit einen Autor und Protagonisten.

Doch, was mich inzwischen am meisten gegen Mankell aufbringt, ist sein Versuch, künstlich Spannung aufzubauen, wo keine ist. Schon die „Tiefe“ (2005), „Kennedys Hirn“ (2006), „Die italienischen Schuhe“ (2007) und „Der Chinese“ (2008) vermochten nicht zu überzeugen und an die alten Erfolge anzuschließen. Die körperlichen und geistigen Kräfte lassen nach bei Autor und Protagonisten gleichermaßen.

Doch der Wallanderfan muss nicht verzagen. Mankell hat sich und seinen Lesern ein biologisches Hintertürchen offengelassen: Ihm und uns bleibt die Fortsetzung mit „the next generation“, Tochter Linda, die ja bereits in „Vor dem Frost“ ihren ersten Auftritt hatte. Doch wie nach jedem guten Roman bleibt auch ein wenig Trauer über diesen traurigen Abschied.

Das Hörbuch wird gekürzt, vertraut und der deprimierenden Stimmung wie immer kongenial angemessen vom wunderbaren Axel Milberg auf 7 CDs und 492 Minuten vorgelesen.

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