David Guterson – „Schnee, der auf Zedern fällt“

Rating: ★★★★☆ 

Das Buch war ein beachtlicher Ersterfolg des 1956 geborenen David Guterson. Wohl nicht zufällig erinnern Erzählstil und thematische Aufarbeitung an Trueman Capotes Justizkrimi „In cold blood“. Minutiös wird in Rückblenden einer Gerichtsverhandlung aus dem Jahre 1954 die Vergangenheit scheibchenweise aufgedeckt, um einen Todesfall aufzuklären. Angeklagt ist ein junger Fischer japanischer Abstammung.

Parallel entwickelt Guterson eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen japanischer Abstammung – der späteren Frau des Angeklagten – und einem jungen Amerikaner kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs. Das Trauma Pearl Habor wird zu ihrem Verhängnis: Die amerikanische Regierung lässt alle US-Bürger japanischer Abstammung kurzerhand internieren (soweit zu diesem freien Land).

Die Ereignisse bringen die drei Protagonisten auf ungeahnte Weise nach 15 Jahren wieder zusammen. Und hier beweist Guterson sein literarisches Format. In virtuoser Vielstimmigkeit gelingt es ihm, Menschen in der Krise darzustellen, wie sie in (vom Erzähler vorgetragenen) inneren Monologen zwischen ihren Sehnsüchten und Zweifeln hin und her gerissen werden.

Das von über 500 Seiten auf 295 Minuten gekürzte Hörbuch wird von Ulrich Matthes auf vier CDs und stimmlich versiert und sprachlich gekonnt vorgetragen.

Fazit: Wer über genügend Geduld besitzt, sich einem langsam entwickelnden Geschichtsepos über Liebe, Tod und Intrigen hinzugeben, wird reichlich belohnt.

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