Urs Widmer – „Der Kongress der Paläolepidopterologen“

Rating: ★☆☆☆☆ 

Der Buchmarkt gehorcht zunehmend, wenn nicht inzwischen fast vollständig, marktwirtschaftlichen Gesetzen. Kein Verleger will es sich mehr leisten, Bücher in geringen Auflagen zu verlegen.

Doch nicht nur hohe Auflagen interessieren, sondern auch ständig neue Angebote. Trotz vieler anderer Medien boomt der Buchmarkt ungebrochen. Bücher sind inzwischen vor allem Unterhaltung.

Hat ein Autor bewiesen, dass er einen „Bestseller“ zu schreiben vermag, möchte der Verlag mehr davon. Folgt der Autor diesem Verlagsansinnen, kann es leicht geschehen, dass die Qualität leidet. Der Kunde, vom Bestseller angetan, kauft auch das nächste Buch – und ist möglicherweise enttäuscht.

Beim vorliegenden Titel kann man sich eben diesen Eindruck nicht erwehren.

Urs Widmer war immer schon ein ungemein phantasiebegabter Schriftsteller mit teilweise kafkaesken Zügen. Doch in diesem Buch geht die Phantasie komplett mit ihm durch. Man hat den Eindruck, Widmer habe sich an jenen psychogenen Pilzen delektiert, die sein Landsgenosse Martin Suter in einem seiner Romane verarbeitet hat.

Er schafft comichafte Figuren wie die Hauptprotagonisten Gusti und Krähenbühl und breughelartige Szenen, für die mir offenbar die Phantasie – außer in schweren (Alp-) Träumen – fehlt. Einen solchen unzusammenhängenden Schwachsinn habe ich lange nicht mehr gelesen.

Schade um die Zeit. Schade für Urs Widmer, der mehrfach bewiesen hat, dass er mit zu den besten Schriftstellern deutscher Sprache gehört.

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