J. F. Cooper – „Der Lederstrumpf“

Rating: ★★☆☆☆ 

Da wird man als im Lebensalter fortgeschrittener Mann doch mal nostalgisch und greift angesichts eines solches Angebots zu, wenn Bodo Primus zwei der berühmten Abenteuergeschichten „Der Wildtöter“ und „Der letzte Mohikaner“ von James Fenimore Cooper (1789 – 1851) auf 4 CDs und gut fünf Stunden vorliest.

Die insgesamt fünf „Lederstrumpf“-Romane (Fortsetzungen: „Der Pfadfinder“, „Die Ansiedler“, „Die Prärie“) beschreiben die Erschließung des amerikanischen Westens durch weiße Scouts, Trapper und Siedler, aber auch die allmähliche Zurückdrängung und Vernichtung der indianischen Kultur.

Die Romanfolge ist literaturgeschichtlich bemerkenswert: Der amerikanische Kontinent wird zum ersten Mal in der US-amerikanischen Literatur als Handlungshintergrund  verwendet. Auch das Bemühen J. F. Coopers, die Indianer auf eine ausgewogene Weise darzustellen, war in seiner Zeit nicht üblich.

In den Lederstrumpf-Romanen begegnen wir einerseits dem nach Freiheit strebenden Individuum und andererseits der Frage, wem das Land gehört – den Indianern, die keinen Landbesitz kennen, oder den Siedlern, die es urbar machen.

Kritiker Coopers Werks führen die oft abenteuerlich anmutende Häufung von Zufällen in der Handlung und die teilweise gekünstelt wirkenden Dialoge der Romanhelden an. Mich erinnert das heute stark an Karl May (1842 – 1912). Und, damn, es sollte mich sehr wundern, wenn dieser sich nicht heftig von Cooper hätte inspirieren lassen! Zu sehr gleichen doch Lederstrumpf und Chingachgook Karl Mays Old Shatterhand und Winnetou. Coopers Held Nathaniel (Natty) Bumppo trägt übrigens in den fünf Romanen verschiedene Beinamen: Lederstrumpf, Falkenauge, Lange Büchse, Pfadfinder, Wildtöter.

Coopers Romane wurden Welterfolge. Autoren wie Nathaniel Hawthorne und Herman Melville zählen zu seinen Nachfolgern, ja, sogar Arno Schmidt soll sich von ihm haben begeistern lassen. Mit Jonathan Swift und Daniel Defoe teilt er das Schicksal, als Jugendbuchautor zu gelten.

Wer also einmal nostalgisch wieder in seine Jugendjahre eintauchen möchte, dem ist mit diesem Hörbuch sicher gedient – auch wenn das sicher bei Weitem nicht mehr die gleiche Faszination ausüben wird wie einst.

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