Jan Weiler – „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“

Rating: ★★★★☆ 

Antonio Marcipane hat alles erreicht: Er besitzt ein Reihenendhaus, ein schönes Auto und vier Dutzend Krawatten.

Mit der Heirat der Tochter von Antonio Marcipane heiratet der deutsche Ich-Erzähler natürlich die gesamte italienische Familie mit. Von der ersten Begegnung mit den Schwiegereltern bis zu Urlauben in Italien, lernt der Leser / Hörer Dutzende Verwandte kennen und erfährt nebenbei einiges über deutsche und italienische Klischees und Nationalstereotypen.

Der Autor Jan Weiler ist gelernter Journalist und arbeitete elf Jahre, zuletzt als Chefredakteur, beim „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Seit 2005 ist Jan Weiler freier Schriftsteller. Der Mann versteht also etwas vom Schreiben.

Bereits im Herbst 2003 erschien sein Debütroman „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. Die einfühlsame Art, wie der Erzähler (Jan Weiler) über Schwiegervater Antonio schreibt, der einst als italienischer Gastarbeiter der ersten Stunde nach Deutschland kam, deutet auf persönliches Erleben hin. Tatsächlich fuhr Weiler im Jahre 2003 mit seinem Schwiegervater Antonio nach Italien in die Region Molise, um sich dort dessen Lebensgeschichte erzählen zu lassen.

Doch der Autor möchte das Buch nicht autobiographisch verstanden wissen. Weiler vermischt also auf humorvolle Weise fiktive Elemente mit den tatsächlichen Erzählungen des Schwiegervaters Antonio (gesprochen von Konrad Beikircher).

Neben seinem Witz und Humor hat die ansonsten harmlose Familiengeschichte auch tiefsinnige Seiten, wenn es um die Entwurzelung und fern von der Heimat lebenden Gastarbeiter geht. Und anders als zum Beispiel bei Tommy Jaud, bleibt Jan Weiler immer niveauvoll: Wenn in diesem Hörbuch auf 2 CDs und gekürzten 159 Minuten ständig deutsch Trapattoni-Deutsch sprechende Italiener imitiert werden, geschieht dies liebevoll und nicht diskriminierend.

Das Hörspiel wurde vom Hörverlag aufwändig mit einer Vielzahl von Sprechern inszeniert. Die Idee, das Produkt in einen Miniaturpizzakarton zu verpacken, ist ebenfalls „süß“, obwohl es im Geschehen eher um das unsägliche „Panna cotta“ geht als um Pizza.

Man darf auf die Fortsetzung „Antonio im Wunderland“ gespannt sein.

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