Klüpf / Kobr – „Erntedank“

Rating: ★★★☆☆ 

Der zweite „Kluftinger“ ist insgesamt eine Idee besser als der erste Fall „Milchgeld“. Nach und nach werden nicht nur die Person Kluftinger, sondern  die Nebenrollen besser herausgearbeitet. Besonders gelungen sind die Szenen aus „Kluftis“ Privatleben, wie der Ausflug ins „Badeparadies“ mit seiner Frau und  dem ungeliebten Ehepaar Langhammer. In der Badeanstalt hat Kluftinger mit einer  uralten und viel zu knappen Badehose und Übergewicht zu kämpfen. Zu allem  Überfluss quartiert ihn seine Frau wegen eines Wasserrohrbruchs auch noch beim ungeliebten Arzt Dr. Langhammer ein.

Der Kommissar ist ganz und gar der Anti-Held. Abends hat er nur ein Bestreben: Die Kuhle in seinem Sofa vor dem  Fernseher möglichst zu vertiefen. In Trainingshose (in der er nie trainiert hat) und mit Bierkrug und Fernbedienung fühlt sich der leitende Hauptkommissar Kluftinger am wohlsten – nicht gerade zur Erbauung seiner Frau Erika. Natürlich wird der biedere Kommissar gerne unterschätzt – ein beliebtes Stilmittel im
Krimigenre.

Und schon bald wird der Hörer auf 3 CD und ca. 235 gekürzten Minuten in eine Reihe von offensichtlichen Ritualmorden entführt. Das erste Mordopfer ist ein Organisator von Kaffeefahrten. Es wird bei einem Gedenkstein der Burg Rappenscheuchen aufgefunden. Dort lebte im Mittelalter ein Raubritter, der laut einer Allgäuer Sage von Rabenvögeln angegriffen wurde und so zu Tode kam.

Bald gibt es eine zweite Leiche: Eine Frauenärztin aus Memmingen wird mit einer in die Stirn geritzten 11 tot an einem Fluss gefunden. Auch diesem Fall scheint eine Sage zugrunde zu liegen. Immer tiefer taucht Kluftinger bei seinen Ermittlungen in die mystische Welt des Allgäu ein. Haupthandlungsort ist der Allgäuer Ort Altusried.

Wie bereits angemerkt, sind Autoren nicht immer gut beraten, ihre Werke selber vorzutragen. Besser man ließe die „Kluftinger“-Kriminalromane von einem professionellen Schauspieler vorlesen – ich denke dialektal zum Beispiel an Dieter-Werner Steck  – oder gar als Hörspiel produzieren.

Doch dessen ungeachtet hat Kluftinger durchaus das Zeug zum „Kult“ zu werden.

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