Hans Keilson – „Da steht mein Haus“

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Hans Keilson  wurde am 12. Dezember 1909 in Bad Freienwalde an der Oder geboren und starb am 31. Mai 2011 in Hilversum. Er war deutsch-niederländischer Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller. Keilson musste 1936 emigrieren und lebte seitdem in den Niederlanden.

Im hohen Alter kommt mit einem Mal der Ruhm, und seine Bücher werden auf der ganzen Welt gelesen. Heute ist Hans Keilson der älteste Autor, von dem bei S. Fischer je ein neues Buch erschienen ist.

Er verzichtet in den 22 kurzen Kapiteln dieses kleinen Büchleins der Erinnerungen auf jede epische Breite. In Episoden, Erinnerungsbildern und Schlüsselszenen erinnert er sich seiner Kindheit, die ihm keineswegs als Idylle erscheint.

Er erzählt stattdessen vom Tod und vom Leben und blickt zurück auf ein ganzes Jahrhundert. Er erinnert sich an den Klang der Militärstiefel des Vaters im Flur des Elternhauses während des Ersten Weltkriegs. Der Vater wurde als Frontkämpfer ausgezeichnet und dachte, dass die Nazis ihn schon deshalb schonen würden.

Fliehen wollte er aus Deutschland nicht, auch als die tödliche Gefahr ganz offenbar geworden war. Keilson kann seine Elterne dann doch zur Flucht nach Holland überreden. Doch dort wurden sie dann von den deutschen Besatzern deportiert und in Auschwitz ermordet. Er hat seine Eltern nicht beschützen, nicht vor dem Tod bewahren können. Seine Schwester, die nach Palästina geflohen war, hat ihm das später vorgeworfen. Wenn sie dagewesen wäre, in Holland, hätte sie ihre Eltern gerettet, hat sie zu ihrem Bruder gesagt.

„Die Einsicht, dass man alles erzählen muss – dass dich das krank macht, was du verschweigst, was du auf deine Feinde projizierst -, diese Einsicht war Freuds große Leistung. Das ist meine Wahrheit. Sie hat auch etwas mit meinem literarischen Schreiben zu tun.“

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