Wolfgang Schorlau – „Die letzte Flucht“

Rating: ★★½☆☆ 

Wolfgang Schorlau ist ein dezidiert politischer Krimiautor. Seine Kriminalromane zeichnen sich vor allem durch ein umfassende Recherchearbeit zum jeweiligen Thema aus. Zwei Jahre will er allein für dieses Buch recherchiert haben, schreibt der Autor.

Dieses Mal beschäftigt sich Schorlau mit der Pharma-Industrie bzw. ihren unfassbaren Methoden der Marktbearbeitung, die auf eine großflächige Zahlung von mehr oder weniger verdeckten Schmiergelder hinausläuft, wenn ein Arzt (der „Verordner“) das Produkt eines bestimmten Herstellers verschreibt. Der Autor selber bezeichnet die Machenschaften der Pharmaindustrie als von „einer beispiellosen kriminellen Energie getrieben“.

Denglers sechster Fall führt den Leser an die Charité nach Berlin. Dort wird ein leitender Arzt verdächtigt, ein Kind brutal vergewaltigt und ermordet zu haben. Die Beweise sind erdrückend. Georg Dengler soll im Auftrag des Anwalts des Verdächtigen herausfinden, ob der Mann wirklich schuldig ist.

Parallel zu dieser Handlung wird der Top-Manager eines Pharma-Unternehmens entführt und von seinem Entführer schonungslos zur Geschäftspolitik seiner Branche befragt. Der Zusammenhang zwischen beiden Handlungssträngen ergibt sich erst ganz zum Ende des Buches – und wirkt dann doch recht bemüht.

In einem dritten, kürzeren Handlungsstrang bezieht Schorlau dann noch dezidiert Stellung zu „Stuttgart 21“. Das Thema darf natürlich bei einem Welt-Anschauungsautor aus dem Stuttgarter Raum mit aufklärerischem Impetus nicht fehlen. Denglers Sohn befindet sich auf der Schüler-Demonstration, die später brutal – wie in der bundesrepublikanischen Vergangenheit üblich – von der Polizei aufgelöst wird. Auch hier treten erhebliche Zweifel am Unternehmen Deutsche Bahn sowie der Staatsmacht auf.

Die Lösung des Falles wirkt insgesamt etwas herbeigeschrieben, will nicht so recht passen. Und auch sprachlich oder – wenn man so will – literarisch hat Schorlau wenig zu bieten, da ist man mit einem Friedrich Ani zum Beispiel besser bedient.

Dass dieses Buch sein bisher bestes sei, dieser Meinung mögen wir uns so gar nicht anschließen.

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