Anselm Grün – „Vom Glück des Älterwerdens“

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Anselm Grün ist ein „Vielschreiber“ – die Zahl seiner Bücher ist groß, an die 400. Er ist der meistgelesene christliche Autor, die Auflage seiner Bücher erreicht 15 Millionen.

Er studierte Philiosophie und Theologie. Als promovierter Theologe und Mitglied des Benediktinerordens ergänzte er sein Wissen um eine Studium der Betriebswirtschaftslehre, um die Belange des Klosters Münsterschwarzach als Cellerar zu leiten. „Manager mit Mönchsherz“ nannte ihn einmal die „FAZ“, „Macher hinter Mauern“ der „Spiegel“.

Was Anselm Grün wohltuend von seinen schreibenden klerikalen Mitbrüdern unterscheidet, ist sein umfassendes psychologisches Wissen, bei dem er sich vor allem auf die systemischen Lehren von C. G. Jung stützt. Die tiefenpsychologischen Erkenntnisse halfen ihm offenbar, Spiritualität insgesamt neu zu verstehen und hernach zu vermitteln. Auch asiatische Meditationstechniken sind ihm geläufig. Die Verbindung von Psychologie und Spiritualität macht ihn als Autor auf diese Weise interessant. Angenehm auch, dass er seinen Glauben an einen christlichen Gott nie zum Diktum für andere macht, nie ist er missionarisch unterwegs, noch grenzt er andere Religionen aus.

Spirtiuell, das bedeutet für Anselm Grün, Menschen (wieder) in ihre Mitte und in Kontakt mit sich selbst zu bringen. Anselm Grün geht davon aus, dass der Mensch zum Leben geboren und zum Glück bestimmt ist – ein schöner Denkansatz. Das schließt für ihn eine Orientierung am rein ökonomistischen Leben aus. Im Gegenteil, sein Motto ist „Einfach leben“.

In diesem Buch über das Älterwerden beschäftigt es sich mit dem natürlichen Alterungsprozess des Menschen – den viele nicht wahrhaben haben und mit unterschiedlichen Strategien auszublenden versuchen. Zeit ist Leben. Und mit der Geburt beginnt bereits gleichermaßen der Alterungsprozess. Mit zunehmendem Alterempfindet man die vergehende Zeit als beschleunigt. Doch nicht nur die Zeit vergeht, sondern auch der Körper. Diese schmerzhafte Erkenntnis versucht Anselm Grün aufzuwiegen mit den Vorzügen des Alters: Gelassenheit, freie und selbstbestimmte Zeit und wenn es gut geht, Weisheit. Angst vor dem Alter sei unbegründet, lautet sein These daher, schließlich lebten wir alle, um alt zu werden.

Das Gespür für die Endlichkeit hat ein junger Mensch nicht in dem Maße wie ein alter. Rastlosigkeit ist im Alter sinnlos. Das Alter ist die Zeit der Reife, der Ruhe, der Besinnung. Wer nicht mehr so viel Lebenszeit hat, sollte sich stärker auf das konzentrieren, was wichtig ist.

Ein in jeder Hinsicht wunderbares Buch! Anders als seine anderen Werke unterscheidet es sich in Format und Aufmachung. Eine Vielzahl von ansprechenden Farbfotos und Motiven ergänzen seine Botschaft. Kleine farblich grün untermalte Gedanken laden ebenso zum Innehalten ein wie manches ausgewählte Zitat.

Sehr zu empfehlen für alle Menschen, die das fünfte Jahrzehnt üebrschritten haben.

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