Johann Wolfgang von Goethe – „Römische Elegien“

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Bei Goethes „Römische Elegien“ handelt es sich um den Titel eines Zyklus von 24 Gedichten. Die Sammelhandschrift trug ursprünglich den Titel „Erotica Romana“ – und das kommt der Sache deutlich näher.

Inspiriert von der antiken römischen Liebeselegie (Catull, Tibull, Properz und Ovid) greift Goethe in diesem seinen ersten Gedichtzyklus deren Form, Motive der Mythologie und Tonfall auf. Er verarbeitet auf diese Weise sowohl sein eigenes Rom-Erlebnis als auch die  aufkeimende Liebe zu Christiane Vulpius dichterisch. Für ihn muss Rom eine Befreiung aus der Enge deutscher Verhältnisse gewesen sein.

Goethe verfasste die Elegien erst nach seiner Rückkehr von seiner „Italienischen Reise“ 1788 bis Ende 1790 und wartete bis zum Jahr 1795, bis er zunächst zwanzig davon in Schillers Monatsschrift „Die Horen“ veröffentlichte. Wie wohl nicht anders vauch von ihm erwartet, lösten sie bei den Zeitgenossen lösten einen veritablen Skandal aus. Johann Gottfried Herder sah sich auf Grund der erotischen Freizügigkeit der Gedichte zu der bissigen Bemerkung veranlasst, die „Horen“ müssten eigenbtlich wohl mit einem „u“ gedruckt werden. In der Tat sind die Text für die damalige Zeit recht freizügig. Kein Wunder, Goethe selber war keine 38 Jahre alt, als seine erste Reise nach Italien antrat.

Die vier anstößigsten Elegien (die II., die XVI. sowie die zwei „priapischen“ Elegien) hielt Goethe zu Lebzeiten zurück (was Schiller bei der – ursprünglich – zweiten Elegie bedauerte), da sie besonders „rüstige“ Stellen enthielten. Goethe überarbeitete die 20 verbliebenen in metrischer Hinsicht für die Ausgabe des Jahres 1800 mit Hilfe von August Wilhelm Schlegel. Doch erst fast 100 Jahre nach seinem Tode, im Jahre 1914 nämlich, erschienen alle Elegien erstmals ungekürzt in der Weimarer Ausgabe von Goethes Werken (Band 53).

Das Hörbuch des hör-gut Verlags wird ungekürzt vorgetragen von Hans-Jürgen Schatz auf einer CD und knapp 60 Minuten.

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