Fred Vargas – „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“

Rating: ★★½☆☆ 

Jemand zeichnet nachts in Paris blaue Kreidekreise aufs Pflaster und legt verlorene bzw. weggeworfene Gegenstände hinein, zum Beispiel Kronkorken, leere Getränkedosen,  Joghurtbecher. In den Kreisen steht zudem geschrieben: „Victor, sieh dich vor, was treibst du jetzt noch vor dem Tor?“

Inspecteur Adrien Danglard, allein erziehender Vater von fünf Kindern, hält die Kreidekreise für Produkte eines Spinners, Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg  befürchtet hingegen Schlimmes. Auf die Gegenstände folgen dann eskalierend eine Maus, eine Katze, ein Lammknochen – und dann eine Tote namens Madeleine mit durchschnittener Kehle.

Von nun an führt uns Fred Vargas konstant auf falsche Fährten. Haben die Ernittler gerade schlüssig den Beweis für einen Täter erbracht, macht Vargas diesen Täter mit einer zusätzlichen Information wieder schuldlos und eine neue Indizienkette wird aufgebaut.

Die Fotografin Mathilde Forestier besitzt drei Wohnungen. In einer davon lebt sie selbst. In einem weiteren Apartment wohnt seit einigen Monaten Clémence Valmont, eine unverheiratete ältere Frau, die Mathildes Archiv betreut und viel Zeit damit verbringt, auf Kontaktanzeigen zu antworten. In die leer stehende dritte Wohnung nimmt Mathilde einen jungen Blinden auf, den sie in einem Café kennengelernt hat.

Bevor Jean-Baptiste Adamsberg und seine Mitarbeiter Danglard, Favre und Violette Retancourt herausfinden, ob es sich bei dem Kreidekreis-Zeichner und Madeleines Mörder um dieselbe Person handelt, werden zwei weitere Leichen in blauen Kreisen gefunden: Der pensionierte Arzt Gérard Ponthieu und Delphine Le Nermord, die Ehefrau des Byzantinikers Le Nermord.

Adrien Danglard verdächtigt Le Nermord, zumal der skurrile Eigenbrötler kein Alibi hat. Schließlich gesteht der Kunsthistoriker, die Kreidekreise gezeichnet zu haben, aber er beteuert, er sei kein Mörder.

Als suspekt gilt auch der blinde Charles Reyer. Machte er sich an Mathilde Forestier heran, um mehr über den Kreidekreis-Zeichner zu erfahren? Half ihm das, die Morde so zu inszenieren, dass man sie für die Taten des Zeichners halten könnte? Ein Alibi hat auch er nicht.

Dann verschindet Clémence Valmont. Monate später sindet man die Siebenundsechzigjährige mit durchgeschnittener Kehle im Wald verschart. Da durchschaut Jean-Baptiste Adamsberg die überaus komplizierten Zusammenhänge – dem Leser fällt’s hingegen schwer.

Die verquere und verschraubte Handlung gleicht dem Versuch eines dreifachen Doppelpasses beim Fußball – mancher Profikicker ist schon mit dem einfachen überfordert. Und so fühlt sich der Leser denn auch weniger unterhalten, sondern vielmehr immer wieder in die Irre geführt. Und das alles nur um der Spannung wegen?

Fred Vargas bestätigte in einem Interview, dass sie am Anfang eines neuen Romans nicht wissen, wie die Handlung sich entwickele und wie alles ende. Ihre Romane entwickelten sich beim Schreiben – und genau das merkt man und genau das bekommt besonders diesem Buch nicht gut.

Das Brigitte-Hörbuch wird von Hannelore Hoger auf 4 CDs und 312 Minuten unvergleichlich vorgetragen.

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