Ernest Hemingway – „Paris, ein Fest fürs Leben“

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Was für ein Schriftsteller! Bereits die ersten Zeilen dieses letzten Buches vermögen es, den Leser in seinen bzw. ihren Bann zu ziehen:

Dann begann das schlechte Wetter. Es kam eines Tages, als der Herbst vorbei war. Nachts musstest du wegen des Regens die Fenster geschlossen halten, und der kalte Wind streifte das Laub von den Bäumen auf der Place Contrescarpe. Die Blätter lagen durchnässt im Regen, und der Wind trieb den Regen gegen den großen grünen Autobus an der Endstation, und das Café des Amateurs war überfüllt, und drinnen beschlugen die Fenster von Wärme und Rauch.“

Mehr braucht es nicht, the scene is set. Der junge Hem(igway) war einst als Journalist nach Paris gekommen. Während in den Vereinigten Staaten der Ausschank von Alkohol verboten war, wurde das Leben in Europa für Ausländer mit Dollar-Einkommen wegen der galoppierenden Inflation mit jedem Tag besser. Hemingway verbrachte in den 1920 Jahren insgesamt fünf Jahre in Paris. Seine Notizen lagerte er offenbar im Keller des Ritz in einem alten Koffer.

Als er 1956 wieder nach Paris kam, nahm er sich seine Notizen wieder vor und verfertigte daraus noch in den letzten Monaten vor seinem Selbstmord im Jahre 1961 diese Skizzen und Porträts über „das Paris unserer ersten Jahre, als wir sehr arm und sehr glücklich waren“.

Denn Paris steht darin nicht nur für die Suche nach der verlorenen Zeit, sondern ist auch der melancholischen Versuchs eines durch exzessiven Lebens stark vorgealterten Schriftstellers, wieder in das Paradies der frühen Tage zurückzugelangen.

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