Peter Gnaiger / Johannes Gutmann – „Gut geht anders“

Rating: ★★★★☆ 

Ein einfaches Lebenskonzept zum Erfolg

Der junge österreichische ecoWIN Verlag ist bekannt für sein außergewöhnliches und anspruchsvolles Verlagsprogramm. Man konzentriert sich auf spannende Autoren, die zu spannenden Themen und Entwicklungen unserer Welt einen Beitrag leisten.

Und so kommt Journalist Peter Gnaiger von den Salzburger Nachrichten gemeinsam mit dem Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann zu einem Bekenntnis, das seinen Ausdruck bereits im Buchtitel findet: „Gut geht anders“.

Sonnentor-Produkte sind für Liebe und Sorgfalt bekannt und folgen nicht nur allesamt kontrolliert biologischen Anbaumethoden, sondern es steckt auch seit Generationen überliefertes Wissen und die Mystik des Kulturkreises, aus dem sie stammen, in ihnen. Wofür Gutmann und Sonnentor stehen, kommt im Unternehmensleitbild gut zum Ausdruck:

„Wir von Sonnentor glauben fest daran, dass in der Natur die besten Rezepte für ein schönes und langes Leben liegen. Dafür arbeiten wir. Davon leben wir. Und wir glauben, dass die biologische Landwirtschaft die einzige Alternative zu den Folgen von Monokultur und Überproduktion ist. DerKreislauf, das immer Wiederkehrende, das sich ständig erneuernde Leben, ist unser Grundprinzip. So wie das Leben & Lebenlassen, das gegenseitige Anerkennen und die Wertschätzung für ein langfristiges Miteinander unerlässlich sind. Alles muss im Gleichgewicht sein, damit die Freude wachsen kann …“

Doch wer kennt schon Sprögnitz bei Zwettl? Ein Dorf im österreichischen Waldviertel auf der grünen Wiese mit 150 Einwohnern und einer Kirche – und einer international erfolgreiche Bio-Firma, deren Gründer mit Lederhose und roter Brille zu seinem eigenen Markenzeichen wurde.

Peter Gnaiger hat dazu Johannes Gutmann mehrfach besucht. Er wollte wissen, was den Erfolg von Gutmann und seinem Unternehmen ausmacht. Mehr noch: Eigentlich wollte er dem Burschen in Lederhosen mal so richtig auf den Zahn fühlen! Ob das alles nicht nur ein „Marketing-Hype“ ist? Behandelt der seine Mitarbeiter wirklich so menschlich, wie man sich das so erzählt? Und gibt es die Bauern wirklich, die all diese Gewürze, Kräuter und Tees anpflanzen?

Gutmann, Unternehmer des Jahres 2011, stellt mit seiner Gemeinwohlölkonomie Nachhaltigkeit, Fairness und Freude an der Arbeit in den Mittelpunkt seines Tuns. Für ihn ist klar, dass uns auf dieser Erde ja nichts wirklich gehört, und dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.

Unerwartet ist in den Gesprächen dann alsbald die Rede von Epikur, Hildegard von Bingen und den Mönchen des Benediktinerstifts Melk. Denn Gutmann geht es um eine menschenwürdige neue Lebens- und Arbeitswelt – und dabei kommen die Themen Genuss und Lebensfreude keinesfalls zu kurz! Allerdings ganz anders als im aktuellen idyllischen „Landlust“-Trend.

Für Gutmann ist „BIO“ ein Kürzel, das für „Bin in Ordnung“ steht. Seine Sonnentor Kräuterhandelsgesellschaft beschäftigt mittlerweile 245 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei über 25 Mio Euro – und das ausschließlich mit den Produktgruppen Tee, Gewürze, Kräuter.

Die Menschen sollen ihren inneren Zauber wiederfinden, sagt Gutmann. Mit Produktnamen wie „Energietee Hildegard von Bingen“, „Bio(b)engelchen“, „Alles wieder gut“, „Eine Mütze voll Schlaf“, „Frei von der Leber weg“, „Frühlingskuss“ – verkauft Gutmann seinen Kunden nicht nur Produkte, sondern auch Geschichten. Sie sollen die Phantasie anregen und damit der Nüchternheit des Intellekts etwas entgegensetzen – ein wenig „Voodoo“ also. Die Produkte versprechen Energie, Freude, Liebe und bilden eine wichtige Säule des wirtschaftlichen Erfolgs. „Heilsamen Zauber“ nennt Eckart R. Straube, Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie, so etwas in seinem neuen Buch.

Und so wird der Kontakt mit Gutmann für Peter Gnaiger gar so etwas wie eine Wallfahrt.

Das Buch ist soeben im ecowin-Verlag erschienen und kostet 21,90 Euro.

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1 Antwort zu Peter Gnaiger / Johannes Gutmann – „Gut geht anders“

  1. Jochen Voigt sagt:

    Die Produkte der Fa. Sonnentor, das ganze Unternehmen und seine Philosophie finde ich toll. Wir verwenden die Gewürze auch, insbesondere im Hofrestaurant, wo sie das Sortiment des Diepholzer „Lokalmatadors“ Firma Lebensbaum sinnvoll ergänzen.

    Etwas „anders“ zu machen als alle anderen, entgegen den klugen Ratschlägen der Besserwisser und Beharrer, hat mich selber auch mein Leben lang beschäftigt.
    Aber das Buch hat mir überhaupt nicht gefallen. Der Schreibstil ist nervtötend: Abgehackte Sätze sollen eine suggestive Wirkung entfalten. Inhaltlich strotzt es von Wiederholungen. Die ständige Leier vom Erfolg nervt – es ist wie die Zeitschrift „brand eins“ zum Quadrat.

    Das Buch ist völlig unkritisch, hinterfragt das Geschehen überhaupt nicht, eine reine Lobhudelei des Gutmenschen, der auch noch Gutmann heißt. Selbst wenn ich noch besser als Gutmann wäre, würde ich so ein Werk niemals autorisiert haben!

    Nehmen wir zum Beispiel das Thema Mitarbeiterführung per „laissez-faire“.
    Das wird völlig idealisiert dargestellt. In Wahrheit hat es wie alles im Leben seine Vor- und Nachteile. Jeder, der Menschen führt, weiß, dass es nur mit „laissez-faire“ nicht geht.

    Manches ist auch einfach charmanter Unsinn, wie die Sammlung der alten Gegenstände. Ich mache das auch, aber es ist einfach Verschwendung von Zeit und Platz – es ist eine im Weg stehende Last.

    Zum Schluss der Austausch mit den Mönchen von Melk war eine Zumutung für den Leser.

    Als Beispielfirma hätte Sonnentor so viel mehr interessante lehrreiche Substanz zu bieten. Auch aus Fehlern könnte man lernen, aber die werden gar nicht dargestellt.
    Da lob ich mir Dobellis erstes Gebot: Besuchen Sie den Friedhof der gescheitertet Ideen!

    „Gut geht anders“ könnte aus meiner Sicht daher eine ungewollt programmatisch treffende Beurteilung des Werks sein!

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