Sedmak / Resch – „Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt“

Rating: ★★★★☆ 

Der junge österreichische ecoWIN Verlag ist bekannt für sein außergewöhnliches und anspruchsvolles Verlagsprogramm. Man konzentriert sich auf spannende Autoren, die zu spannenden Themen und Entwicklungen unserer Welt einen Beitrag leisten.

Christian Resch (*1980), Journalist bei den „Salzburger Nachrichten“ und Agnostiker will es partout wissen: Mit Beginn der Fastenzeit, genauer ab Aschermittwoch 2012, will er sich für 40 Tage auf den Weg nach „innen“ begeben, um vielleicht doch noch nach „oben“ zu kommen.

Hilfe erhofft er sich dabei von Prof. Clemens Sedmak (*1971), Theologe und Philosoph, seit 2005 Lehrstuhlinhaber für Sozialethik am King’s College in London. Der erklärt sich bereit, ihm seine dabei auftauchenden Fragen zu beantworten.

Beide treffen die folgende Vereinbarung:

Sedmak stellt Resch jeden Tag eine Aufgabe. Im Gegenzug darf Resch Sedmak jeden Tag eine Frage über Gott usw. stellen. Natürlich schenken die beiden Wortgewandten sich nichts! Auf diese Weise entsteht ein Dialog – und der ist nicht staubtrocken, sondern locker, streckenweise recht humorvoll und vor allem (österreichisch?) frech bis frivol – a bisserl Schmäh halt.

Denn anders als beim scheidenden Benedikt erleben wir in Sedmak einen modernen Religionswissenschaftler, der durchaus fähig ist, althergebrachte Begrifflichkeiten in zeitgemäße Äquivalente zu übersetzen. So ist für ihn die Hölle kein Ort mit brennenden Scheiten und Feuer, sondern ein Synonym für einen Ort der Wahrheitsferne, an dem die Menschen in ständiger Selbsttäuschung leben, einem grauen Ort, an dem nichts wichtig ist und an dem nichts geschieht.

Nur mit der Erklärung des „Heiligen Geist“ tut auch er sich schwer – und hält es, wie viele Geistliche vor ihm, lieber mit dem „Mysterium“, wie immer, wenn eine Religion nicht weiß, sondern stattdessen lieber einfach auf den Glauben setzt.

Weil Resch sich so ziemlich alle Bänder am Knie beim Federball abgerissen hat, ist er etwas immobil. Der Gedankenaustausch findet deshalb überwiegend per E-Mail statt – und zwar genau vom 22. Februar bis zum 9. April 2012.

Die Ähnlichkeit des Ansatzes mit den erfolgreichen Büchern von Daniel Glattauer ist gewiss nicht zufällig. Doch anstelle des Themas Liebe geht es diesen beiden nun um die Möglichkeiten eines christlichen Lebens im 21. Jahrhundert.

Wenn Agnostiker auf Theologen treffen, wird es fast immer interessant. Für den interessierten Leser beginnt eine spannende Gedankenreise, die ggf. in dieser just beginnenden Fastenzeit inspirierend sein könnte – auch wenn Sedmak die gewichtige Theodizee-Frage von Resch am Schluss des Buches unbeantwortet lässt.

Resch nimmt dann eine Reihe von praktischen Anregungen Sedmaks aus diesen 40 Tagen mit, auch wenn ihm die christliche (hier katholische) Kirche weiterhin als „depressiv“ erscheint, und er bei anderen Aufgaben gescheitert ist, sie in seinen Alltag zu integrieren. Irgendwie hatte Friedrich Nietzsche schon recht: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“

Das Buch ist soeben im Ecowin Verlag erschienen und kostet 19,95 Euro.

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1 Antwort zu Sedmak / Resch – „Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt“

  1. Sabine Pavlasek sagt:

    Danke für die Lektüre! Ich hatte viel Spaß damit.
    Und ich glaube nicht, ich weiß, dass ich auf Gott vertrauen darf. Er schützt und begleitet und leitet mich.
    Manchmal fällt es mir schwer, dein Wille geschehe, zu leben. Wenn es gelingt ist es sehr befreiend.

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