Anke Laufer – „Die Irritation“

Rating: ★★★★☆ 

Nach den ersten Geschichten steht der Konsument eher klassischer literarischer Kost ein wenig ratlos da: Das ist schon eine andere Welt, als die ihm bekannte, die Anke Laufer da beschreibt!

Seit 2006 verfasst die Autorin, die sich selber als „Newcomerin“ bezeichnet, Prosatexte – und hat für ihre Kurzgeschichten und Erzählungen schon einige renommierte Auszeichnungen erfahren. Im Jahre 2011 erhielt Anke Laufer zudem ein Literaturstipendium in Bogotá, der kolumbianischen Hauptstadt.

Die 21 Kurzgeschichten sind unterteilt in drei Überschriften / Themengebiete:
– ruhelos (8)
– geheimnisse, nebenan (8)
– morgen, bald, irgendwann (5)

Die Kurzgeschichten, die von Liebe und Tod aber auch dem Alltag in einem englischen Seebad,  süddeutschen Dorf, den Straßen Madrids oder in südamerikanischen Gefilden handeln, sind in Sujet und Art der Ausarbeitung unterschiedlich – mal kriminalistisch („Die Irritation“), mal kafkaesk („Der Waldrapp“), oft undurchsichtig phantastisch bzw. phantastisch undurchsichtig („Skorpione, indogoblau“). In der dritten Sektion wird es gar recht surreal.

Ihr Stil ist ein eigener, auch wenn sie bei Ilija Trojanow, Burkhard Spinnen und anderen schreibenden Größen in die Schule gegangen ist – und dort ganz offensichtlich manche Inspiration hat mitnehmen können.

Die Sprache der Autorin ist klar, klarer als manch eine ihrer Geschichten, die den Leser ratlos zurücklassen – und dann in der Tat „irritierend“ – oft im Sinne von gruselig –  sind. Vielleicht muss man besonders diese ein zweites Mal, aufmerksamer als beim ersten Mal, lesen? Bereits Rousseau setzte da schon strenge Maßstäbe:

„Ich mache den Leser darauf aufmerksam, daß dieses Kapitel bedächtig zu lesen ist. Ich besitze nicht die Kunst, für jemand klar zu sein, der nicht aufmerksam sein will.“

Doch wie nur konnte die Autorin sich solche Geschichten erdenken? Ist das wirklich alles Fabuliererei? Welch albtraumhafte Phantasie! Bei Martin Walser konnte man einmal lesen:

„In meinen Büchern kann ich schreiben, was ich niemals sagen würde. Das Schreiben ist ein Entblößungs-Verbergungs-Vorgang: Nur weil ich mich verberge in irgendeiner Figur, kann ich weit gehen.“

Doch die Autorin behauptet: Alles Fiktion! Der Leser ist erleichtert.

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