Martin Walker – „Femme fatale“

Rating: ★★★☆☆ 

Der Schotte Martin Walker veröffentlicht seine „Bruno“-Romane inzwischen im exakt gleichen jährlichen Reigen wie seine amerikanischen Erfolgskollegin Donna Leon – ebenfalls im Diogenes-Verlag. Auch sonst hat er einiges mit ihr gemeinsam:

Walker ist – als gelernter Historiker –  Journalist und Schriftsteller. Zwar wohnt Walker statt in Venedig mit seiner Familie im Périgord  und anstelle des promovierten Familienmenschen Commissario Brunetti ist der eher schlichte Dorfpolizist von Saint-Denis, Bruno Courrèges, – von allen nur Bruno genannt –  ledig. Aber was die beiden Protagonisten eint, ist ihre Liebe zum guten Essen – und Trinken. Dass der Eine mit Vornamen „Bruno“ heißt und der Andere „Brunetti“, das dürfen wir Walker als Schlitzohrigkeit durchgehen lassen.

Walkers Romanheld Bruno Courrèges ist Gemeindepolizist von Saint-Denis. Er ist für entlaufene Hunde oder die Organisation des wöchentlichen Marktes genauso zuständig wie für die seltenen Kriminalfälle. Er trägt weder eine Pistole noch einen Ehering, was den End-Dreißiger zum begehrtesten Junggesellen des Ortes macht.

In diesem fünften Roman schwimmt nun eine weibliche – zudem nackte – Leiche in einem alten Kahn den Fluss herunter. Es ist April und selbst im Südwesten Frankreichs ist es noch zu frisch für leicht bekleidete Bootsfahrten. Außerdem ist sie mit obskuren okkulten Zeichen bemalt. Ihre Identität ist unklar.

Parallel zur kriminalistischen Handlung erleben wir Bruno wie immer auch ganz privat. Neben der Engländerin Pamela gibt es nun ja auch noch die Ärztin Fabiola. Und natürlich immer wieder Inspectrice Isabelle Perrault aus dem Innenministerium in Paris, wenn auch nur am Wochenende, dafür aber mit einer Überraschung im Gepäck: Balzac.

Mit von der Partie sind wie immer der Commissaire Jean-Jacques Jalipeau von der police nationale, der Bürgermeister, der Baron und – wenn auch dieses Mal nur aus der Ferne von Paris – der Brigadier aus dem Innenministerium. Natürlich garnieren auch wieder verschiedene Menschen der Region mit ihren landwirtschaftlichen Produkten den über 400 Seiten langen Roman.

Ganz nebenbei schlichtet Bruno auch in diesem Roman immer mal wieder den Dorffrieden – und drückt dabei immer gerne mal das eine oder das andere Auge zu, bevor er dem Gesetz zur Geltung hilft. Er ermittelt mit Umsicht, schließlich kennt er beinahe jeden Bewohner persönlich.

Doch bei den Plänen für den Bau eines Feriendorfs mit Golfplatz geht es offenbar nicht mit rechten Dingen zu. Das Immobilienunternehmen scheint nicht seriös zu sein. Aber Brunos Bürgermeister steht auf Infrastrukturmaßnahmen, da braucht es handfeste Beweise, dass die Finanzhaie im Hintergrund nicht vertrauenswürdig sind.

Zum Schluss geht es wie fast immer bei Martin Walker überaus turbulent zu, die Ereignisse überschlagen sich förmlich – und nicht alles, was zur Steigerung der Spannung aufgefahren wird, ist auch plausibel. Am Ende ist jedenfalls mal wieder Bruno der Held.

Und so nimmt der Leser teil an einem der letzten Refugien heiler Welt, die allerdings auch in Saint-Denis immer wieder von bösen Mächten bedroht wird. Doch solange Bruno im Dienst ist, rettet er – hoffentlich noch viele Male – den Frieden dieses kleinen fiktiven Ortes. Denn es ist dieser Mix, der bereits in den ersten vier Fällen für 700.000 verkaufte Bücher (von den Tantiemen lässt es sich sicher gut leben im Périgord) sorgte, wie Walker selber schreibt:

„Es ist zum Teil Reiseliteratur, Kochbuch, ein Liebesbrief an Frankreich und das Périgord – und dazwischen gibt es einen Mordfall, damit es ein Krimi wird. Ich schreibe Krimis nicht im herkömmlichen Sinn, weil mich das nicht interessiert. Ich möchte über diese Gegend schreiben und was sie so einzigartig macht.“

Deshalb hat der Diogenes-Verlag dem neuen Buch auch gleich einen Mini-Reiseführer von Martin Walker über das Périgord beigelegt: Vivent les vacances en France!

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