Georges Simenon – „Der Zug“

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Die Bücher aus der Non-Maigret-Reihe sind literarische Leckerbissen.

Der Band 44 der „ausgewählten Romane“ mit dem Titel „Der Zug“ (Originaltitel „Le train“) fällt gleichwohl aus der Reihe: Die Deutschen fallen zunächst in Holland, dann in Belgien ein. Die Menschen in der französischen Stadt Fumay an der belgischen Grenze verfolgen die Ereignisse besorgt.

Marcel Féron betreibt dort eine kleine Radio-Reparaturwerkstatt. Das Motiv bleibt zwar im Dunkeln, aber er flieht wie viele andere Stadtbewohner mit seiner schwangeren Frau Jeanne und ihrer Tochter. Es gibt einen letzten völlig überfüllten Zug, der sie von den herannahenden deutschen Truppen wegbringen soll. Eine Odyssee durch Frankreich beginnt. An deren Ende landet man in einem belgischen Flüchtlingslager in La Rochelle.

Über den Sieg der Deutschen heißt es Férons in seinen Aufzeichnungen: „Ein Blatt war gewendet worden, eine Epoche zu Ende gegangen. Das empfand jeder, doch keiner wusste, was genau kommen würde.“

Simenons Text beschreibt – wie fast immer – Menschen im Ausnahmezustand. Eben noch ordentliche Bürger und Familienväter, nun „ein Mensch unter den Millionen, die höhere Mächte nach Lust und Laune durcheinanderschütteln“.

Während seine schwangere Gattin und seine kleine Tochter in einen anderen Teil des Zuges geraten, lernt Féron die offenbar aus dem Gefängnis entflohene halbjüdische Tschechin Anna kennen, die angesichts der Frankreich Zug um Zug besetzenden Deutschen Soldaten um ihr Leben fürchtet.

Es entsteht eine unerklärliche Liebesaffäre zwischen dem biederen Féron in ihr. Natürlich kann und darf das nicht gutgehen: Auch die stärkste Liebe wird bei Simenon einer ordentlichen Lebensführung geopfert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

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