Georges Simenon – “Drei Frauen”

Meine Bewertung: ★★★★★ 

In der modernen Zeit, die Simenon in »Drei Frauen« (vormaliger Titel: “Die Großmutter”) schildert, sind die Familien zerbrochen, und alle leben verstreut ihr eigenes Leben.

Der Zerfall macht auch vor der Stadt nicht halt: Paris wird umgebaut, die alte Bausubstanz wird abgerissen, und die 80 Jahre alte Juliette Emel wird aus ihrem Haus vertrieben. Enkelin Sophie bietet ihrer Großmutter an, bei ihr zu wohnen. Juliette bekommt ein kleines Dienstbotenzimmer. Doch sie bringt nicht nur ihre Möbel mit, sondern auch ihre Vergangenheit.

Durch ihren Einzug entstehen neue Bündnisse, Eifersucht kommt ins Spiel, und es kommt zu einem Machtspiel zwischen drei Frauen, denn bei Sophie wohnt auch die  Nachtclubsängerin Lélia. Sophie und Lélia sind beste Freundinnen, beide so selbstbewusst wie erfolgreich.

Mit dem Einzug von Juliette wird diese traute Zweisamkeit gestört, es entsteht eine “ménage à trois”, eine Wohngemeinschaft von zwei Generationen und drei Frauen, die alle auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben sind. Juliette will sich nicht geduldet in ihr Schicksal als Gast bescheiden, sondern will an Leben ihrer Enkelin teilhaben. Doch Sophie und Lelia sind es gewohnt, bis spät in der Nacht unter Leuten zu sein und zu feiern. Juliette ist dieser Lebenswandel fremd.

Simenon hat mit diesem Roman ein Thema angesprochen, der sich in dieser Zeit (der Roman erschien 1959) abzeichnete: Die Frauen werden selbstständiger, die Familien zerfallen. Dabei wird deutlich, dass bereits Juliette einen ähnlichen Weg gegangen ist wie Sophie – nur zu einer Zeit, die eine andere war und in der solche Wege noch nicht akzeptiert wurden.

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