Wolfgang Schorlau – „Brennende Kälte“

Rating: ★★★★☆ 

Wie schon in den drei vorhergehenden Bänden basiert auch dieser Kriminalroman auf einem im Anhang ausgeführten Tatsachenbericht. In diesem Fall handelt es sich um einen Bericht in der „Stuttgarter Zeitung“ vom 29. Januar 2007 über „Hitzewerfer im Kriegseinsatz“, eine Art Mikrowellenkanone, die die USA entwickelt haben – und die zu den „nicht-tödlichen Waffen“ gehört.

Wolfgang Schorlau lässt seinen privaten Ermittler Georg Dengler auf 250 Seiten nach einem aus geheimen Einsätzen aus Afghanistan zurückgekehrten und an einem „posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS)“ leidenden Bundeswehrsoldaten suchen.

Das Verdienst Schorlaus sehe ich vor allem in dem Mut, mit diesem Buch das von der Bundesregierung heruntergespielte Thema „Afghanistaneinsatz der Bundeswehr“, wenn auch in Romanform, zu thematisieren. Die geschilderten Episoden im afghanischen Einsatz, die im Nachwort „Finden und erfinden“ kurz umrissen werden, sind offenbar von Schorlau sauber recherchiert worden. Wenn diese so stimmen, würde sich das Buch für eine Ablösung des Verteidigungsministers und einen Rücktritt der derzeitigen Regierung eignen, denn offenbar geschehen in Afghanistan täglich Dinge, die seit einigen Jahren unter dem Euphemismus „Kollateralschaden“ heruntergespielt werden.

Und bei Lichte betrachtet erscheinen diese Berichte nicht abwegig, denn aus welchem Grunde sollten die USA sich taktisch in Afghanistan anders verhalten als einst in Vietnam? Die begangenen Verbrechen, die jedem Menschen- und Völkerrecht, auch den Genfer Konventionen widersprechen, sickern im Falle Vietnams erst seit einigen Jahren durch. Was werden wir also in 25 Jahren über den Afghanistankrieg, der ja eine Friedensmission“ sein soll und bei dem es sich nach offizieller Diktion, um einen „nicht-internationalen bewaffneten Konflikt“ handelt, erfahren?

Schorlau hat für seinen Roman die aus dem Film bekannte Technik der kurzen Schnittsequenzen verwendet. Die Handlung bekommt dadurch ein hohes Tempo, die Spannung steigt. Die handelnden Personen wirken allerdings auch in dieser vierten Episode hölzern. Sie zu entwickeln, ihnen mehr Farbe, Persönlichkeit und Entwicklung zu geben, wäre eine wünschenswerte Entwicklung.

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