Albert Camus – “Der Mythos von Sisyphos”

Meine Bewertung: ★★★★★ 

So mild und hilfsbereit Götter auch den leidenden Menschen zur Seite treten, hart und unnachsichtig trifft die rächende Strafe jeden, der ihnen die Stirn zu bieten wagt. Für seinen Trotz musste Sisyphus büßen, der Erbauer der herrlichen Stadt Korinth. Er hielt sich für den listigsten der Sterblichen und scheute sich deshalb nicht, des Göttervaters Zorn auf sich zu ziehen.

Als Zeus die liebliche Nymphe Aigina entführte, verriet Sisyphus ihn aus schnödem Eigennutz dem Vater der Geraubten, dem Flussgott Asopos, der ihm dafür aber versprechen musste, in der Felsenburg der Stadt Korinth eine Quelle entstehen zu lassen.

In seinem Unwillen zögerte Zeus nicht, den Verwegenen zu bestrafen. Thanatos, der Tod, erhielt den Auftrag, den Korintherkönig in den Hades zu führen. Sisyphus wusste jedoch den ungebetenen Sendboten des Göttervaters zu überlisten und legte ihn in Fesseln, so dass niemand auf Erden mehr sterben konnte, bis Ares kam. Er befreite den Todesgott, der den fürwitzigen König nun ins Reich der Schatten führte.

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Georges Simenon – “Der Verrückte von Bergerac”

Meine Bewertung: ★★★☆☆ 

“Maigret und der Verrückte von Bergerac” (Originaltitel: “Le Fou de Bergerac”) ist der 16. von insgesamt 75 Romanen und 28 Erzählungen um den Kommissar Maigret. Er entstand im März 1932 – nicht etwa in Bergerac, sondern in La Rochelle.

Der Roman fängt vielversprechend an: Auf Einladung seines Freundes Leduc will Maigret für ein paar Tage privat in die Dordogne reisen. Doch ein mysteriöser Mitreisender im Liegewagen veranlasst Maigret, wie dieser den Zug auf unkonventionelle Weise zu verlassen und ihm zu folgen. Dabei wird Maigret angeschossen und erwacht erst wieder im Krankenhaus von Bergerac, wo sich der Arzt Rivaud, der örtliche Kommissar, der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter um sein Bett versammelt haben: Man hält Maigret für den „Verrückten von Bergerac“, einen Serienmörder, der bereits zwei junge Frauen umgebracht hat.

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Jules Verne – “Reise zum Mittelpunkt der Erde”

Meine Bewertung: ★★★☆☆ 

Jules Vernes (1828-1805) gilt als der Vater der Science-Fiction Literatur. Doch auch wenn seine Phantasie ihn zwar zum Erfinder dieser neuen Literaturgattung werden ließ,  kannte er dieses Genre selber nicht. Verne hatte die Gabe, Unterhaltung und Information so zu mischen, dass daraus eine Vielzahl von Literaturklassikern (Reise in 80 Tagen um die Welt, 20.000 Meilen unter dem Meer) entstanden.

Die Hauptfiguren dieser Geschichte, die der Franzose Verne in Jahre 1864 veröffentlichte, sind Deutsche. Das mutet erstaunlich an – und wäre nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sicher so nicht mehr möglich gewesen. Verne ließ gerne Angehörige anderer Nationen in außergewöhnliche Abenteuer ziehen. Dass dabei Klischees in seine Figuren einflossen, nahm man ihm nicht übel, weil er auch die eigenen Landsleute davon nicht ausschloss.

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde bestreiten:

  • Der eigenwillige Professor Otto Lidenbrock, der in Hamburg lebt und dort am Johanneum Mineralogie und Geologie unterrichtet
  • Sein Neffe und Assistent Axel, der Ich-Erzähler des Romans
  • den Eiderentenjäger Hans Bjelke, ihr isländischer Führer

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Veröffentlicht unter 3 Sterne, Science Fiction | Verschlagwortet mit
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Daniel Defoe – “Robinson Crusoe”

Meine Bewertung: ★★★★☆ 

Der Roman “Robinson Crusoe” ist Geschichte eines Kaufmann, der 28 Jahre auf einer einsamen Insel als Schiffbrüchiger verbringt. Das Buch erschien 1719 und gilt als der erste englische Roman.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit: Ein gewisser Alexander Selkirk wurde 1704 nach einem Streit mit seinem Kapitän auf der Insel “Mas a Tierra” ausgesetzt. Selkirk blieb gut vier Jahre auf der Insel. Nach seiner Rückkehr nach England wurde Selkirks Geschichte aufgezeichnet und in der Zeitschrift „The Englishman“ veröffentlicht. Angeblich soll Defoe Selkirk auch selber in einem Pub in Bristol getroffen haben und aus dessen Erzählungen zu seinem Roman inspiriert worden sein.

Defoes Klassiker wurde immer auf einen Abenteuerroman reduziert – dabei ist das Buch eher eine Gesellschaftskritik, bei der nur der erste Teil von Robinson Crusoes Zeit auf der Insel handelt. Tatsächlich beschreibt Defoe die gesellschaftlichen Verhältnisse Englands im 17. und 18. Jahrhundert als Erscheinungsform dessen, was Karl Marx später in seiner  ”Ursprünglichen Akkumulation” detailliert beschreiben sollte.

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Wolfgang Schorlau – “Am zwölften Tag”

Meine Bewertung: ★★☆☆☆ 

Das Thema ist – wie immer bei Wolfgang Schorlau – aktuell und gut recherchiert. Der dramaturgische Aufbau ist durchaus komplex. Der Spannungsbogen wird dramaturgisch lange hochgehalten. Alles in allem also eigentlich eine gute Basis für ein weiteres erfolgreiches (siebtes) Buch um den privaten Ermittler Georg Dengler.

Und doch: Der Funke will beim Lesen nicht überspringen. Woran liegt es? Am übersättigten Leser? Am Erfolgsautor? Oder an zu viel Stereotypen?

Die Zutaten: In seinem neuen Buch geht es um Massentierhaltung, osteuropäische Billigarbeitskräfte, eine Rocker Gang und eine nicht bewältigte Vater-Sohn-Thematik. Das Ganze wirkt damit eindeutig zu bemüht und überambitioniert.

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Veröffentlicht unter 2 Sterne, Kriminalroman | Verschlagwortet mit
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Hans Jürgen Dehning – “Meine sieben bitteren Jahre”

Meine Bewertung: ★★★★★ 

Es ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, der Generation der Väter und Großväter etwas über ihre Zeit im 2. Weltkrieg zu entlocken – zu traumatisch waren offenbar die Erfahrungen oder zu umfassend die Scham bzw. Resignation.

Umso wichtiger und wohltuender dieses Buch eines jungen Soldaten (Jahrgang 1924), der den Russlandfeldzug mitgemacht hat und hernach vier Jahre in jugoslawischer Gefangenschaft verbrachte.

Was an dem Buch vor allem überzeugt und gleichzeitig irritiert, sind die Auszüge aus seinen Feldpostbriefen an die Eltern. Dehning hat nichts geschönt, sondern legt den damalige Glauben an die nationalsozialistische Bewegung und die Begeisterung für den Krieg schonungslos offen: Diese Jugend war bedingungslos bereit, Gesundheit und Leben für das Vaterland zu opfern!

“Nein, Ihr könnt leider nicht stolz auf mich sein, wie auf Karsten, der jetzt in Afrika kämpft, Mann gegen Mann.” – Sein Bruder wird später den sog. “Heldentod” sterben.

Wie ernüchternd dann Niederlage, Gefangenschaft, Hunger und Elend, bevor man dann als einer der wenigen Überlebenden im Jahre 1949 wieder nach Hause gelangt.

Das Buch wurde vom “Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.” in der Reihe “Erzählen ist Erinnern” herausgegeben. Es sollte ins Curriculum des Geschichtsunterrichts unserer Schulen aufgenommen werden, um zu vermeiden, dass der Jugend schon wieder Glauben gemacht wird, unsere Freiheit werde am Hindukusch oder sonstwo verteidigt. Denn auch in Afghanistan ist nichts gut, wie Ex-Bischöfin Käßmann einst völlig richtig sagte.

Veröffentlicht unter 5 Sterne, Biographie, Sachbuch | Verschlagwortet mit
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Hanns-Josef Ortheil – “Der Junge, der nicht fragte”

Meine Bewertung: ★★★★☆ 

Benjamin Merz heißt die Hauptfigur dieses Otheilschen Romans, der offenbar erneut einige autobiographische Elemente enthält und ein weiteres Mosaiksteinchen in der der Aufarbeitung eigenen Lebens ist.

Ein Mann Ende dreißig, von Beruf Ethnologe. Eine erfolgreiche Persönlichkeit eigentlich. Nur seine vier älteren Brüder verhinderten die normale Entwicklung des Nachkömmlings. Sie dominierten und drangsalierten den “Kleinen” – und der reagierte darauf mit Schweigen, in einer Phase, wo Kinder sonst ständig fragen.

Hanns-Josef Ortheil selber blieb bis zu seinem siebten Lebensjahr nach dem Vorbild seiner Mutter stumm - diese hatte das Sprechen eingestellt, nachdem seine vier älteren Brüder nacheinander im Krieg oder als Fehlgeburten gestorben waren.

Natürlich hat Ortheil den Namen seines Protagonisten Benjamin nicht zufällig gewählt, steht er doch einerseits für den Letztgeborenen in einer Familie und andererseits nach dem Alten Testament für den jüngsten Sohn des Jakob und seiner Lieblingsfrau Rahel. Und immerhin trägt Ortheil selber den Vornamen “Josef”, der (anders als die anderen Brüder) ebenfalls Sohn der Rahel war – im Alten Testament herrschte noch heftige Vielweiberei.

Die Handlung wird im Wesentlichen von den Bewohnern der Insel bestritten, auf die Benjamin Merz sich zurückgezogen hat: Sizilien – darin das kleine (fiktive) Städtchen im äußersten Süden namens Mandlica.

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Veröffentlicht unter 4 Sterne, Roman | Verschlagwortet mit
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