Jan Brandt – “Gegen die Welt”

Meine Bewertung: ★★☆☆☆ 

Kumulativ, das heißt, in einzelnen Fortschritten, rezensierten wir hier diesen deutschsprachigen Debütroman, der auf knapp 1000 Seiten seinen ostfriesischen Kosmos  nur selten verlässt.

Kühe grasen auf den Wiesen, hinter den getrimmten Hecken blühen Blumen, in den Auffahrten glänzen frisch gewachste Neuwagen. In diese Welt wird Mitte der siebziger Jahre im fiktiven Ort Jericho der Protagonist Daniel Kuper hineingeboren.

Wir erleben als Leser ein von der Mitte der Achtziger Jahre bis in die Gegenwart reichendes Epos, die Adoleszenzphase eines Jungen in der ostfriesischen Provinz. Im Sommer 1983 beginnt die Erzählung um Daniel, der Sohn des Drogisten Kuper.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit
Diese Rezension wurde bislang 156 mal gelesen. | 2 Kommentare

Friedrich Dürrenmatt – “Der Auftrag”

Meine Bewertung: ★★★☆☆ 

Beginnen wir die Rezension mit der Einschätzung, dass diese Kriminalnovelle ein merkwürdiges Stück Literatur ist. Schon der Unterttiel deutet dies an:

“Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter.” Es ist ein Regiment des Misstrauens, das Dürrenmatt vier Jahre vor seinem Tod im lakonischen, nüchternen Stil erstaunlich weitsichtig imaginiert. Denn wir schreiben das Jahr 1986, als Dürrenmatt mit diesem apokalyptischen Stück der Umweltzerstörung und des Waffenhandels aufwartet, in dem es nur so von islamischem Fundamentalismus wimmelt. Wir sind Zeuge eines tiefenpsychologischen Schauerstücks.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Novelle | Verschlagwortet mit
Diese Rezension wurde bislang 59 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Friedrich Dürrenmatt – “Die Panne”

Meine Bewertung: ★★★★★ 

Ein Mann hat eine Autopanne. Das Fahrzeug muss die Nacht über in der Werkstatt bleiben. Weil es Gasthöfe am Ort kein Zimmer mehr frei haben, verweist man Alfredo Traps an einen älteren Herren, der hin und wieder in seiner Villa Gäste aufnimmt.

Der 87-jährige Herr, ein pensionierter Richter, der mit seiner Haushälterin Simone in der Villa wohnt, heißt den Reisenden willkommen und lädt ihn zum Abendessen ein.

Der Gastgeber empfängt noch drei weitere Gäste: Kummer, 82, einst Strafverteidiger,  Zorn, 86, einst Staatsanwalt und Pilet, 77, einst Henker. Man fragt, ob Traps an einem Spiel teilnehmen möchte? Man führe täglich eine fiktive Gerichtsverhandlung durch, bei der man sich meistens mit bekannten Fällen aus der Geschichte befasse. Doch an diesem Abend wolle man sich einmal mit seiner möglichen Schuld befassen, er möge die Rolle des Angeklagten übernehmen. Traps erklärt sich keines Verbrechens je bewusst gespannt und gerne dazu bereit.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Erzählung, Hörbuch | Verschlagwortet mit
Diese Rezension wurde bislang 75 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

“sonntags – Erfindung der Freiheit”

Meine Bewertung: ★★★★★ 

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit hat enorme “Fortschritte” gemacht. Seit Jahren wird seitens der Wirtschaft auch an der letzten Bastion gebohrt. Unproduktive Zeiten,  das ist “Teufelszeug” für das Kapital, das seine Maschinen am liebsten jeden Tag rund um die Uhr auslasten möchte.

Doch noch ist der Sonntag in unserer westlichen Kultur durch die christliche Religion stark verankert, auch wenn kaum noch jemand zum Gottesdienst geht.

Warum ist so ein freier Tag auch in modernen Zeiten weiterhin wichtig? Jeder Mensch braucht schöpferische Pausen. Niemand kann acht Stunden konzentriert durcharbeiten. Wer erfolgreich sein will, muss Pausen machen. Nur, wer pausiert, kann wahrnehmen, was gelungen ist. Wer arbeitet, muss Pausen machen. Kein Gott und kein Mensch kann offenbar pausenlos arbeiten.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Sachbuch | Verschlagwortet mit
Diese Rezension wurde bislang 61 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Lösung 4

Die Lösung lautet: Franz Kafka – “Der Prozess”:

“Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.”

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit ,
Diese Rezension wurde bislang 60 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Walter Grond – “Der gelbe Diwan”

Meine Bewertung: ★★☆☆☆ 

Dieses Buch erschließt sich dem Leser weder auf den ersten noch den zweiten Blick. Und das liegt nicht nur an dem (für mich eindeutig) zu klein gewählten  Zeichensatz oder den sehr eng beschriebenen Seiten mit nur kleinen Rändern. Beides sind keine Kriterien, die per se gegen ein solches Buch sprechen müssen,  sind gleichwohl aber symptomatisch, denn auch inhaltlich ist dies kein einfach zu lesendes Werk. Mehrfach musste ich einen Anlauf nehmen, doch dieses  Buch will sich dem Leser nicht so einfach erschließen – es sperrt sich.

Dabei versteht der Autor ohne Zweifel sein schriftstellerisches Handwerk. Und wohl nicht zufällig ist man an mancher Stelle an Texte wie die eines Martin Walsers erinnert, was die Erzähltechnik, die Dialoge oder die Rückblenden betrifft.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit
Diese Rezension wurde bislang 71 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Friedrich Dürrenmatt – “Der Verdacht”

Meine Bewertung: ★★★★★ 

Friedrich Dürrenmatt ist einer der großen deutschsprachigen Schriftsteller und wenigen Moralisten – und er gehört zu den großen Kriminalschriftstellern der Moderne.

Dürrenmatts Kriminalromane werfen nämlich die philosophische Frage auf, wer die Menschen daran hindert, Böses zu tun, wenn sie an keine höhere Macht glauben? So lässt Dürrenmatt den Arzt Emmenberger sagen:

Wie die Christen an drei Dinge glauben, die nur ein Ding sind, an die Dreieinigkeit, so glaube ich an zwei Dinge, die doch ein und dasselbe sind, […] Ich glaube an die Materie, die gleichzeitig Kraft und Masse ist, […] wie schäbig und leer ist es daneben, zu sagen, ‚Ich glaube an einen Gott‘“.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kriminalroman, Roman | Verschlagwortet mit
Diese Rezension wurde bislang 105 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar