Jan Seghers – „Die Akte Rosenherz“ (Hörbuch)

Rating: ★★★☆☆ 

Im neuen Kriminalroman von Matthias Altenburg, alias Jan Seghers, nimmt sich Hauptkommissar Marthaler eines (aktenkundigen) Prostituiertenmordes aus dem Jahre 1966 an. Robert Marthaler ist nämlich der Mann bei der Frankfurter Polizei für „Cold Cases“. Zur Seite steht ihm bei diesem Fall Anna Buchwald, keine Kollegin, sondern eine angehende Journalistin und Stipendiatin an der „Henry-Nannen-Schule“ in Hamburg.

Gemeinsam lösen „das Mädchen und der Kommissar“ den komplizierten Fall. Sie bringen den Mörder von Karin Rosenherz zur Strecke. Der Leser/Hörer ist erleichtert, dass Altenburg/Seghers darauf verzichten, dass sie sich ineinander verlieben.

Dramaturgisch tun die Zeitsprünge – die Anlehnung an Henning Mankells Stil ist einmal mehr unübersehbar – von über 40 Jahren dem Roman gut. Dass der Roman für Frankfurter sicher den Extrareiz vieler bekannter Schauplätze bietet, sei nur am Rande erwähnt: Das Mausoleum Gans auf dem Hauptfriedhof, die Eintracht-Kneipe auf dem Oeder Weg oder das „Weiße Haus“ an der oberen Günthersburgallee. „Ich kann keine Orte erfinden, ich muss sie finden“, sagt Seghers und hat dazu Frankfurt auf seinem Rennrad durchquert und in verborgenen Winkeln recherchiert. Die „Akte Rosenherz“ eignet sich aber durchaus für Nicht-Frankfurter, auch wenn man keinen Bezug zu „Äppelwoi“ und „Grüner Soß“ hat.

In mühevoller journalistischer Kleinarbeit hat Seghers diesen tatsächlich bis heute ungelösten Fall deutscher Kriminalhistorie, den Mord an der Frankfurter Prostituierten Helga Matura aus dem Jahr 1966, aufbereitet. Monatelang soll Seghers im hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden die mehr als zehntausend Seiten umfassenden Gerichtsakten zum Fall Matura studiert haben.

Miroslav Nemec müht sich als professioneller Vorleser redlich ab. Er imitiert weibliche, männliche, junge und alte Stimmen, parodiert deutsch sprechende Ausländer auf 5 CDs und 385 Minuten. Er macht das alles gekonnt und variantenreich, doch könnte man sich auch mehrere Sprecher sehr gut vorstellen – was seitens des Verlags allerdings einen höheren Aufwand bedeutete.

Fazit: Ein leichtes, gut zu lesendes/hörendes und durchaus spannendes Werk. Doch dass der Autor „gängige Klischees“ meidet und seine Bücher „mit zum Besten gehören, was der deutsche Krimimarkt derzeit zu bieten hat“ oder gar „ein Meisterstück des europäischen Kriminalromans“ ist, diesem Urteil mag ich mich nun doch nicht anschließen. Dafür enthält das Buch dann doch zu viel Plakatives und „Herz-Schmerz“.

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