Marga Berck – „Ein Sommer in Lesmona“

Rating: ★★★★☆ 

Anlässlich des diesjährigen „Sommer in Lesmona“ mit der Kammerphilharmonie Bremen (wir berichteten hier) ist es an der Zeit, über das gleichnamige Buch der Urheberin des Namens dieses „Events“ zu schreiben.

Magdalene Pauli, Pseudonym Marga Berck, wurde im Jahre 1875 als Tochter der bekannten hanseatischen Kaufmannsfamilie Melchers geboren. Sie heiratete im Jahre 1896 den späteren Direktor der Kunsthalle Gustav Pauli.

Mit ihrer besten Freundin Bertha unterhielt sie einen regen Schriftverkehr. Ein Teil davon ist erhalten und wurde im Jahre 1951 als Briefroman (Untertitel „Mädchenbriefe“), der Jahre 1893 – 1896 veröffentlicht. Der Roman erinnert stark an die Welt Theodor Fontanes und selbst Thomas Mann soll bekannt haben, dass er das Buch mit zunehmender Rührung gelesen habe.

Die Briefschreiberin hat mit ihren 18 Jahren keine andere Aufgabe als die Ehemannsuche. Mehrere Bewerber weist sie zunächst ab. Sie liebt sie nicht und kann sich auch sonst für
sie nicht erwärmen, ja, sie meint gar, sie sei nicht zur Liebe fähig – bis sie ihren Halbvetter Gustav Rösing („Percy“) aus London kennenlernt.

Denn die Sommermonate verbringt Familie Melchers im Haus „Lesmona“, das Hermann Melchers, der Bruder ihres Vaters, in St. Magnus erworben hatte. Marga verliebte sich in den Deutsch-Engländer Gustav Rösing. Die beiden verbringen unbeschwerte Tage. Doch aus dem zunächst harmlosen Beisammensein wächst allmählich eine große Liebe heran.

Er  scheint der Richtige zu sein, charmant, einfühlsam, musisch. Doch er ist nur zwei Jahre älter als sie und wird von der Familie Melchers nicht akzeptiert – nicht „comme il faut“, zu jung und so gar keine gute Partie. Eine standesgemäße Hochzeit mit dem erst 19-Jährigen kommt daher nicht in Frage.

Da heiratet sie – wie es in dieser Zeit noch üblich war – nicht den Mann, den sie liebt, sondern ganz „vernünftig“ den zehn Jahre älteren Kunsthistoriker Dr. Pauli („Dr. Retberg“), der sich schon länger um sie bemüht. Der Konflikt zwischen romantischer Leidenschaft und bürgerlicher Vernunft wird am Ende mit einer festlichen Hochzeit „aus der Welt geschafft“.

Doch während sie nach außen hin die glückliche Braut spielen muß, sieht sie voraus, dass ihre Ehe eine einzige Katastrophe werden wird, und mit dieser Aussicht enden auch die Briefe und endet das Buch. Denn die Vertraute und Empfängerin ihrer Bekenntnisse, ihre Freundin Bertha, stirbt wenige Tage vor Margas Hochzeit im Kindbett.

Das Buch wurde 1985 herzerwärmend und romantisch verklärend unter der Regie des wunderbaren Peter Bauvais mit der jungen Katja Riemann in der Hauptrolle von Radio Bremen verfilmt – leider ist der Film zZ nicht als DVD im Handel erhältlich.

Das Hörbuch wird gekürzt auf 3 CDs und 218 Minuten kongenial von Katja Riemann vorgelesen.

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