Ulrich Wickert – “Der Richter aus Paris” (Hörbuch)

Meine Bewertung: ★★☆☆☆ 

Zugegeben, die ersten Minuten sind nicht einfach, hat man doch Ulrich Wickert als langjährigen, seriösen Moderator der “Tagesthemen” noch wohl im Ohr – das will zunächst nicht zueinander passen. Doch das gibt sich.

Ulrich Wickert hat einen langen persönlichen Bezug zu Paris. Bereits ab 1956 verbrachte er einige Jahre mit seinen Eltern in Paris, 1978 übernahm er dann dort das “Frankreich-Studio” der ARD, 1984 wurde er Leiter des Pariser-Studios der ARD. Der Mann kennt also Paris – und vermutlich Frankreich, Land und Leute – aus der Westentasche. Das bekommt auch seinem ersten Kriminalroman gut – auch wenn dieser nur zu einem Teil in Paris, zum anderen Teil in der zu Frankreich gehörenden Antilleninsel Martinique spielt.

Ulrich Wickert entwickelt in diesem (Hör-) Buch seinen Untersuchungsrichter Jacques Ricou, der als einer der wenigen Unbestechlichen dem französischen Recht auch gegen die etablierten Gepflogenheiten in Politik und Wirtschaft (Stichwort “Parteienfinanzierung”) zur Geltung verhelfen will.

Dabei soll es sich gemäß Untertitel nicht um einen fiktiven Roman, sondern um “eine fast wahre Geschichte” handeln. Er wolle sich der Wahrheit nähern, und die sei in Frankreich so abenteuerlich, wie sie bei uns in Deutschland nicht sein könne, erklärte Wickert einmal in einem Zeitungsinterview.

Wickert führt den Leser mit diesem Roman durch die französische Kolonialgeschichte und ihre Schauplätze in Indochina, Algerien und eben Martinique. Die Handlung der Geschichte selber geht zurück in die Zeit von Kriegsgefangenenlagern in Vietnam und Folter in Algerien. Ein wenig, dezente Erotik kommt dann auch mit ins Spiel, wenn Wickert Richter Ricou die verführerische Kreolin Amadée an die Seite stellt.

Das im Jahre 2004 produzierte, auf 3 CDs und 219 Minuten gekürzte Hörbuch ist ansehnlich illustriert und mit einem achtseitigen Booklet versehen. Als Sprecher wirken neben Wickert Stepha Benson, Andreas von der Meden und Jürgen Strube mit.

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