Donna Leon – ” Das Mädchen seiner Träume”

Meine Bewertung: ★★★☆☆ 

Nicht grundsätzlich unrecht haben jene Kritiker, die danach fragen, ob ein Autor über einen langen Zeitraum immer wieder in der gleichen – am besten wohl stets gesteigerten – Qualität jedes Jahr aufs Neue ein Buch vorlegen kann, das das Zeug zum “Bestseller” hat.

Und zugegeben habe ich mich selber anlässlich Donna Leons jährlichen Brunetti-Reigens so manches Mal gefragt, ob es denn nun nicht langsam reiche. Und doch habe ich keinen Band ausgelassen.

Brunetti-Romane leben von Stereotypen wie Patta, Elettra, Alvise usw. Die Brunetti-Welt entspricht den Erfahrungen der meisten Leser. Alles ist menschlich, wenn auch manchmal verwerflich. So ist die Welt nun einmal – und das mit Sicherheit nicht nur in Italien, denn sonst wäre die große deutsche Fan-Gemeinde nicht erklärbar. Es wäre falsch, Italien einzig mit Mafia, Berlusconi usw. erklären und Deutschland hingegen als saubere, heile Welt darstellen zu wollen. Das Schmierentheater ist diesseits und jenseits der Alpen kaum noch zu überbieten.

Vielleicht ist es das Verdienst Donna Leons, den Leser zwischen den Kriminalfällen teilhaben zu lassen an einem Leben von guten, schlechten, rechtschaffenen, engagierten und eben den eigenen Vorteil suchenden Menschen in einer Welt, in der richtig oder falsch nur gewollt wirkende Instanzen zu sein scheinen, die letztlich jeder befürwortet aber keiner wirklich selber als reine Lehre akzeptieren oder gar leben will.

Und irgendwo steht dann auch der Satz: “Damit alles beim Alten bleibt, muss scheinbar alles anders werden.” Das meint auch der Vice-Questore in diesem Falle und gibt sich für einige Tage multikulturell.

Im 17. Fall geht es im wahrsten Sinne zunächst um “Gott und die Welt”. Doch der erste Handlungsstrang verläuft sich dann alsbald im Sande und wird in einem Nebensatz gegen Ende des Buches en passant aufgelöst. Dagegen kann man zu Recht etwas haben, ist man doch als Leser dieses durchaus gut eingeführten Schemas gespannt gewesen.

Ein zweiter Handlungsstrang wird aufgebaut, gut illustriert durch das Umschlagfoto: Im Kanal wird ein ertrunkenes Roma-Mädchen (und nur auf dieses bezieht sich der m. E. wenig passende Titel) aufgefunden. Und wieder erleben wir Stereotypen (man könnte auch von Klischees oder gar Vorurteilen sprechen), die mancher Leser Donna Leon sicher nicht nachsehen wird.

Fazit: Und so bleibt auch die Lösung dieses Falles für die Leser und Brunetti einmal mehr unbefriedigend. Beide werden es verwinden. Bis zum nächsten Mal

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