Stefan Zweig -„Schachnovelle“ (Hörbuch)

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Das 1959 für den HR bzw. SR produzierte, gekürzte Hörspiel beeindruckt in jeder seiner 65 Minuten Laufzeit. Offenbar wurde einst nicht bei der Produktion gespart: Mehr als zehn Sprecher wirken an dieser im brasilianischen Exil geschriebenen Novelle von Stefan Zweig mit, allen voran Gert Westphal als Erzähler, Mario Adorf als Czentovic und Willy Trenk-Trebitsch als Dr. Blatt.

Der kultivierte Jurist, Dr. Blatt, ist dem Schachweltmeister überlegen, doch kann er sich von den traumatischen Erlebnissen seiner Gestapo-Isolationshaft von einst nicht befreien. Dramaturgisch eingebettet wird der Bericht über die Isolationshaft in die Erzählung eines Wiener Journalisten (Erzähler Gert Westphal) über seine Erlebnisse während einer Schiffsreise nach Südamerika.

Wir erleben die beklemmende Atmosphäre einer Schachpartie, von jemandem, der das Spiel der Könige einst als Überlebensstrategie während der Gestapo-Haft autodidaktisch erlernte. Doch als er erstmals seit diesen traumatischen Ereignissen realiter Schach spielen soll, wird die Geschichte wieder lebendig.

Trenk-Trebitsch verleiht der Rolle des Anwalts Dr. Blatt eine ungeheure Intensität: Er schafft die bedrückende Atmosphäre eines sympathischen Mitreisenden und einst seelisch tief Verletzten, zwanghaft Handelnden, etwas, das nur noch wenigen Vorlesern heute gelingt.

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