Donna Leon – „Reiches Erbe“

Rating: ★★★★☆ 

Sommerzeit = Brunettizeit! Vor genau zwanzig Jahren erschien der erste Fall, „Venezianisches Finale“. Danach hat die in Venedig lebende amerikanische Autorin Donna Leon mit großer Zuverlässigkeit jedes Frühjahr einen neuen Brunetti veröffentlicht.

Man mag dazu stehen, wie man will, aber irgendwie hat Donna Leon es  mit ihrer Kunstfigur des Guido Brunetti geschafft, sich in den rituellen Jahresreigen einzureihen: Ostern, Pfingsten, Brunetti! Seither gehört das ganze Ensemble der Polizei Venedigs mit Patta, Vianello, Scarpa, Elettra usw. mit an den Strand oder auf die Urlaubsterrasse.

Nur wenige Ermittler in Kriminalromanen halten sich so lange wie Guido Brunetti. Und der ist immer noch der sympathische, seiner Familie und der Stadt Venedig in tiefer Liebe verbundene Commissario.

Pünktlich vor den Sommerferien ist gerade der 20. Brunetti erschienen. Keinesfalls schätzt Donna Leon die Kriminalhandlung gering, doch stehen im Zentrum dieses Bandes mehr denn je Brunetti und Venedig. Der Leser taucht ein in eine herbstliche Serenissima. Dieses Mal geht um ein gefälschtes Testament, um Habgier und die Liebe. Costanza Altavilla starb an Herzversagen. Dennoch hat Brunetti wieder einmal ein ungutes Gefühl.

Einmal mehr ermittelt der Commissario auf seine unkonventionelle wie typische Art an den Wünschen und Vorgaben seines Vorgesetzten Patta elegant vorbei. Und so rollt er einen Fall auf, der von einer Hilfsorganisation für verfolgte Frauen in ein luxuriöses Altenheim führt.

Auch dieses Mal dürfen die leckeren italienischen Speisen natürlich nicht fehlen. Und am Ende wissen Brunetti und mithin der Leser wieder etwas mehr über das stereotype Gut und Böse in Italien. Dabei beherrscht Donna Leon – anders als zB Martin Walker – den schmalen Grat zwischen Kitsch und erträglicher Unterhaltung.

Fazit: Mit einem frischen Glas Weißwein, vorzugsweise „di veneto“, ein paar „tramezzini“ oder einer leckeren „pasta“ umwabert den Leser für ein paar Stunden der Hauch der Lagune. Ein solches Gefühl im Leser zu erzeugen, ist eine Leistung, die man nicht geringschätzen darf – und die dem Autor hoch anzurechnen ist!

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