Vicki Baum – „Menschen im Hotel“

Rating: ★★★★☆ 

Dieser Roman der „goldenen 20er Jahre“ spielt in einem Berliner Luxushotel – als Vorbild soll das Hotel „Excelsior“ gedient haben.

Vicki Baum – eigentlich Hedwig Baum (1888 – 1960) – beschreibt vereinsamte, seelisch deformierte und physisch kranke Menschen Menschen und solche, die hinter ihrer bürgerlichen Fassade ein ganz anderes Leben führen. Der Leser erlebt Menschen in der modernen Großstadt; er ist nie allein und doch stets einsam und auf sich gestellt.

Dies sind die sechs Protagonisten:
– Die alternde und berühmte Balletttänzerin Grusinskaya vorgestellt
– Der auf Grund einer Kriegsverletzung im Gesicht entstellte Morphinist Dr. Otternschlag
– Baron Gaigern, verarmt, betätigt sich als Fassadenkletterer und Trickbetrüger
– Herrn Kringelein, moribunder Hilfsbuchhalter, der einmal am Leben teilnehmen will
– Generaldirektor Preysing, um die Existenz seiner Unternehmens fürchtend
– Frau Flamm, genannt „Fämmchen“, arbeitslose Stenotypistin

Vicki Baum hat ihre Charaktere mit stereotypen Eigenschaften ausgestattet, um sie von innen heraus durchsichtig zu machen, den wahren Menschen zu zeigen.

So begibt sich Dr. Otternschlag jeden Tag aufs Neue zur Rezeption, um nach Post oder Depeschen zu fragen, ob wohl ihm seit Jahren niemand mehr geschrieben hat.

Der mondäne Baron Geigern ist chronisch pleite und beschafft sich Geld als Hoteldieb. Doch als es der der Grusinskaya die Perlen stehlen will, siegt die Moral.

Kringelein hat sich immer nur bescheiden müssen im Leben, jetzt muckt er auf und genießt das Leben kurz vor Toresschluss.

Preysing war stets korrekt und immer der subalterne Sohn. Nun betrügt er erstmals seine neuen Mitgesellschafter und seine Ehefrau.

Die Grusinskaya ist am Ende ihrer Karriere angekommen, will aus dem Leben scheiden, da blüht sie noch einmal auf.

Fräulein Flamm verkauft sich zunächst an den Generaldirektor Preysing, entwickelt gleichzeitig Zuneigung für Gaigern, um dann zum todkranken Buchhalter Otto Kringelein zu flüchten und mit ihm nach London zu reisen.

Traditionelle Werte und Normen sind in diesem Roman auf den Kopf gestellt: Vertreter des einstigen Adels finden sich in der Position des Empfangschefs oder Hoteldiebes wieder. Die solide Wirtschaftswelt des Bürgertums ist abgewirtschaftet. Der kleine Mann lebt probeweise auf großem Fuß. Die arbeitslose Stenotypistin versucht sich als Geliebte.

Niemand wird das „Grand Hotel“ so verlassen, wie er es betreten hat.

Die Verfilmung mit Greta Garbo wurde mit dem Oscar ausgezeichnet.

Das Hörbuch wir kongenial von Barbara Rudnik auf 4 CDs und 288 Minuten gekürzt vorgelesen.

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