Martin Suter – „Der Koch“

Rating: ★★★★☆ 

Die Sinne bzw. sinnlichen Wahrnehmungen haben es Suter offenbar angetan. Dieses Mal geht es um die Geschmacksnerven. Doch nicht nur: Denn nicht nur versorgen Protagonist Maravan, tamilischer Asylbewerber in der Schweiz, und seine ebenfalls arbeitslose Kollegin Andrea ihre zahlungskräftige Klientel mit ihren ayurvedischen bzw. aphrodisischen Kochkünsten für Liebesmenüs, sondern spinnt Suter parallel einmal mehr den Faden in die Geschäftswelt, deren Charaktere und Geschichten der Leser / Hörer bereits aus Business Class“ kennt.

So ganz en passant erfährt der Hörer / Leser etwas über die Molekularküche, lernt, was ein Rotationsverdampfer ist und staunt, wie raffiniert und technisiert heute gekocht werden kann. Das Ganze gleicht eher einem biochemischen Labor mit Wasserbad und Bunsenbrenner, Vakuumkocher und Präzisionswaage, Pipetten, Siphon und Mixer.

Heraus kommen dabei Gerichte, die märchenhaft klingen: Eislutscher aus Lakritze-Honig-Ghee“, Minichaapatis mit Curryblätter-Zimt-Kokosöl-Kaviar“ oder Gefrorene Safran-Mandel-Espuma und ihre Safrantexturen“ -, die in Phiolen und Reagenzgläsern auf Löffeln oder in Fingerhüten serviert werden.
Kochen, erfahren wir, ist nichts anderes als Verwandeln: Kaltes in Warmes, Hartes in Weiches, Saures in Süßes. Das hat Maravan von seiner Großtante Nangay aus Colombo gelernt.

Vergleicht man dieses (Hör-) Buch mit den anderen Werken Suters, dann fällt einem auf, dass der Autor der „Wirtschaftselite“ immer weniger abgewinnen kann. Das wird am Beispiel von Waffenschiebereien schweizer Unternehmen in Krisengebiete deutlich. Suter kann solchem Tun ganz offensichtlich nichts Humorvolles mehr abgewinnen, wie es ihm in Business Class“ noch satirisch und leichtfüßig gelang. Am Ende, so viel sei verraten, siegen die Guten.

Auf 6 CDs und 437 Minuten liest Heikko Deutschmann gekonnt, gut gestimmt und wohl intoniert den gesamten Roman ungekürzt vor. Der Nachteil des Hörbuchs gegenüber dem Buch: Die Rezepte der verschiedenen Gerichte gibt es nur in der gedruckten Form.

Fazit: Pochierte Unterhaltung, sautiert mit etwas Krimi, arrondiert mit einer Prise Erotik, serviert auf Gesellschaftskritik und Zynis-Mousse.

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